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Jüdischer Friedhof Berlin-Weißensee

 

Der jüdische Friedhof Weißensee ist einer der größten und schönsten jüdischen Friedhöfe Europas.

Um 1875 war die Mitgliederzahl der Jüdischen Gemeinde auf 65.000 angewachsen und als sich die Vollbelegung des Friedhofs in der Schönhauser Allee abzeichnete, erwarb die Jüdische Gemeinde ein über 40 Hektar großes Gelände in Weißensee zur Errichtung einer neuen Begräbnisstätte. Den Wettbewerb für dessen Gestaltung gewann der Architekt Hugo Licht.

Zahlreiche Berliner Persönlichkeiten sind hier beigesetzt, unter anderem der Sozialpolitiker Max Hirsch (1832-1905), der hebräische Schriftsteller Micha Josef Bin Gorion (1865-1921), der Maler Lesser Ury (1861-1931) sowie die Verleger Samuel Fischer (1859-1934) und Rudolf Mosse (1843-1920). Bis 1998 wurden auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee mehr als 115.200 jüdische Bürger Berlins beigesetzt. Der jüdische Widerstandskämpfer Herbert Baum liegt ebenfalls hier begraben, sein Grab ist gleichzeitig Gedenkstätte für ihn und seine Widerstandsgruppe.

Direkt am Eingangsbereich, hinter einem sehr sehenswerten schmiedeeisernen Portal, befindet sich eine Anlage zum Gedenken an die sechs Millionen Opfer des Holocaust. In der Mitte des Rondells steht ein zentraler Gedenkstein der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.

Interessanterweise wurde der Friedhof während des 3. Reiches von den Machthabern nicht angetastet. Zwar gibt es eine Grabstelle, auf deren Grabstein die Inschrift „Hier liegen geschändete Thorarollen“ steht, aber dieses ist nicht direkt dem Nationalsozialismus anzurechnen. Vielmehr versteckten 1943 Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Berlin 583 Thorarollen in der 1910 errichteten Neuen Feierhalle im Südostteil des Friedhofes. Diese wurden durch eine Brandbombe im Sommer 1943 stark beschädigt und konnten nur teilweise aus den Trümmern geborgen werden. Etwa 90 der Schriftrollen waren so stark verbrannt oder zerstört, dass sie nur noch in unmittelbarer Nähe zur Blumenhalle am Haupteingang vergraben werden konnten. Die restlichen Thorarollen wurden bis zum Ende des Krieges in einem Keller unter der Blumenhalle verwahrt. Sie wurden nach dem Krieg verschiedenen Synagogen in Berlin, der Bundesrepublik Deutschland und anderen Ländern Europas übergeben.